Berlin Breakdown: Ist Neukölln tatsächlich voller Hipster?

Berlin, 08.03.2017

Wie sich Neukölln doch verändert hat – vor zehn Jahren noch eine mehr oder weniger vergessene Gegend berüchtigt für Kriminalität, so ist es heute das angesagte Äquivalent zu Brooklyn oder Hackney, bevorzugtes Umzugsziel für junge Alt- und Neu-Berliner, sowie Thema einer neuen Hochglanz-TV-Serie (4 Blocks).

Aber wie sehen die Menschen, welche ihre Zeit in Neukölln verbringen, wirklich aus? Entspricht die Realität dem Bild, welches die Medien uns vermitteln wollen? Wir haben uns entschlossen, genau das herauszufinden.

Unser Panel anonymer Smartphone-Nutzer bildet die Grundlage dafür zu verstehen, wie sich die Einwohner Berlins geographisch aufschlüsseln lassen. Für unsere Untersuchung haben wir die Daten von 47.530 Menschen über einen Zeitraum von 10 Wochen betrachtet.

Was wir gefunden haben hat unseren Verdacht bestätigt: Nord-Neukölln (und sein etablierterer Nachbar Kreuzberg) scheinen die Stadtteile mit dem höchsten Anteil junger Berliner zu sein, wie man auf der Karte unten erkennen kann. Je roter ein Bereich ist, desto höher ist der Anteil an Bewohnern unter 35 Jahren, während mehr gelb einem größeren Anteil über 35 entspricht.

Das Locarta Panel

Unser Panel beinhaltet 500.000 Nutzer innerhalb Deutschlands, welche uns anonym Standortdaten zur Verfügung stellen.
Wir nutzen diese Informationen, um Trends darüber zu finden, wohin und wie Menschen sich in der realen Welt bewegen.
Für weitere Informationen über unsere Produkte, besuchen Sie unsere Website.
Datenschutz ist uns wichtig: wir haben uns von ePrivacy die Einhaltung der höchsten gesetzlichen Standards in Deutschland zertifizieren lassen.

Neukölln zieht überdurchschnittlich viele junge Leute an

Neukölln zieht überdurchschnittlich viele junge Leute an.

– Rot steht für einen hohen Anteil an Menschen unter 35, die dort Zeit verbringen
– Gelb steht entsprechend für einen niedrigen Anteil dieser Gruppe
– Je intensiver die Farbe, desto größer die zeitliche Dichte der jeweiligen Gruppe in dem Bereich, keine Farbe bedeutet, dass dort von keiner der Gruppen viel Zeit verbracht wurde

Und diese jungen Neuköllner machen die Nacht zum Tage. Wie man in der Animation unten sehen kann, sind in den frühen Morgenstunden wesentlich mehr ältere Menschen unterwegs, während es zum späten Abend hin deutlich jünger wird.

Ein Tag in Kreuzberg und dem Norden Neuköllns

– Rot steht für einen hohen Anteil an Menschen unter 35, die dort Zeit verbringen
– Gelb steht entsprechend für einen niedrigen Anteil dieser Gruppe
– Je intensiver die Farbe, desto größer die zeitliche Dichte der jeweiligen Gruppe in dem Bereich, keine Farbe bedeutet, dass dort von keiner der Gruppen viel Zeit verbracht wurde

Wie teilt sich Berlin im Bezug auf das Einkommen auf? Ganz allgemein gesprochen liegen die ärmsten Gegenden im Osten. Man könnte meinen, dies sei eine Folge der früheren Teilung der Stadt, bei der die alte alliierte Zone heutzutage die Soviet-Zone hinter sich lässt. Das scheint allerdings nicht der Fall zu sein, da Neukölln tatsächlich ein Teil Westberlins gewesen ist.

Ein andere Erklärung könnte stattdessen ein deutlich älteres Phänomen liefern: der Wind. Gehobene Stadteile großer europäischer Städte liegen häufig im Westen (besipielsweise Kensington in London, oder das 16. Arondissement in Paris), da der vorwiegend aus Westen wehende Wind dort rußige, verschmutzte Luft aus der Stadt von ihnen fernhält.

Besserverdiener finden sich eher im Westen

– Rot steht für einen hohen Anteil an Menschen mit hohem Einkommen, die dort Zeit verbringen
– Gelb steht entsprechend für einen niedrigen Anteil dieser Gruppe
– Je intensiver die Farbe, desto größer die zeitliche Dichte der jeweiligen Gruppe in dem Bereich, keine Farbe bedeutet, dass dort von keiner der Gruppen viel Zeit verbracht wurde

Kombiniert man diese Informationen und legt sein Augenmerk besonders auf ältere, gut verdienende Berliner, so sticht Nord-Neukölln besonders heraus: Diese meiden die Gegend mehr als jede andere.

Ältere Besserverdiener sammeln sich im Westen, meiden Neukölln

– Rot steht für einen hohen Anteil an Besserverdienern über 35, die dort Zeit verbringen
– Gelb steht entsprechend für einen niedrigen Anteil dieser Gruppe
– Je intensiver die Farbe, desto größer die zeitliche Dichte der jeweiligen Gruppe in dem Bereich, keine Farbe bedeutet, dass dort von keiner der Gruppen viel Zeit verbracht wurde

Wenn Berlin also “arm, aber sexy” ist, wie der ehemalige Bürgermeister Klaus Wowereit es einmal formuliert hat, dann ist Nord-Neukölln der Teil der Stadt, welcher dieses Bild mehr als alle anderen verkörpert. Kein Wunder also, dass sich die Gegend als Ganzes im Aufwind befindet.